Was ist ein Schema und wie entsteht es?

Erkenntnisse der Neurobiologie bestätigen, dass unsere frühe Kindheit prägend für unsere Denk-, Gefühls-, Erlebens- und Verhaltensmuster ist. Schon früh wird in uns angelegt, wie wir uns selbst und die Umwelt erleben. Gemäß diesen Überzeugungen nehmen wir unser Leben wahr und kreieren unsere Realität.

Sind wir in unserer Kindheit schwierigen Lebensbedingungen (z.B. Ablehnung durch die Bezugspersonen, Gewalt, Vernachlässigung, Ausgrenzung in der Schule) ausgesetzt gewesen, so entwickeln wir Anpassungsleistungen, welche zu diesem Zeitpunkt durchaus sinnvoll und funktional sind, uns aber als Erwachsene im Alltag behindern können.

Mit einem Schema sind nun die typischen Muster von Gefühlen, Gedanken und Empfindungen gemeint, die unser Verhalten steuern.  Schemata dienen dazu, die wichtigsten psychischen Bedürfnisse (Grundbedürfnisse) eines Menschen zu befriedigen, etwa das Bedürfnis nach sicheren Bindungen bzw. zufriedenstellenden Beziehungen oder das Bedürfnis nach Autonomie.

Oft erkennt man die Aktivierung eines Schemas, wenn man in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagiert (denkt, fühlt, handelt), obwohl man es eigentlich gar nicht möchte, man weiß, dass es unangemessen ist und es einem langfristig schadet. Es fühlt sich an, als ob ein "Knopf gedrückt wird“ und man sich nicht mehr „erwachsen“ verhalten kann. Dies äussert sich z.B. in wiederholten schädlichen Verhaltensweisen zur Problembewältigung, anhaltenden Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Menschen oder man erlebt regelmäßig emotionale Krisen.

 

Wie funktioniert Schematherapie?

In der Schematherapie geht es darum, die ungünstigen Erlebens- und Verhaltensmuster, die im Laufe der Lebensgeschichte entstanden sind, bewusst zu machen und so zu verändern, dass der Betroffene seine Gefühle und sein Verhalten besser regulieren und seine Bedürfnisse auf eine günstigere Weise befriedigen kann. Dadurch reduzieren sich langfristig auch die psychischen Belastungen und Symptome.

In der Behandlung werden die sogenannten Modi (verletztes bzw. wütendes Kind-Modus, fordernder oder strafender Eltern-Modus, Bewältigungsmodus wie Vermeidung, Überkompensation oder Erduldung) gemeinsam in einer Fallkonzeption identifiziert und insbesondere in Stuhldialogen und Imaginationen auf Dysfunktionalität geprüft. Gleichzeitug wird ein heilsamer, neuer Umgang damit entwickelt, erprobt und eingeübt, um den gesunden Erwachsenen-Modus und das glückliche innere Kind zu stärken.

Im Vordergrund steht dabei das emotionale Erleben des Klienten. Biografische Aspekte werden eingebunden und aktuelle Probleme auf ungünstige Entwicklungsbedingungen zurückgeführt. Außerdem spielt die Therapiebeziehung eine große Rolle, in der begrenzte elterliche Fürsorge und veränderte Interaktionsmuster verwirklicht werden sollen.

Ziel der Schematherapie

Das Ziel der Behandlung ist, unbewusste Reaktionen zu erkennen, zu überprüfen und das eigene Verhalten bewusst steuern zu lernen, indem der Zusammenhang zwischen Verhaltensweisen in bestimmten Situationen und den neuronal verankerten Schemata bewusst wird.

Durch eine Veränderung der Schemata kann eine neue Sichtweise auf das Leben geschaffen werden. Sie können lernen, Ihr Leben entsprechend Ihrer eigenen Wünsche und Werte zu gestalten, einen fürsorglicheren Umgang mit sich und den eigenen Bedürfnissen zu entwickeln und Kompetenzen im Umgang mit Ihren Mitmenschen aufzubauen und zu stärken.

Anwendungsgebiete

Schematherapie bietet sich an, wenn Sie sich in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Personen zu stark von Emotionen steuern lassen und unangemessene Denk-, Gefühls- oder Verhaltensmuster an sich erleben, welche sich wie von allein einstellen.

Haben Sie in solchen Situationen wenig oder gar keine Kontrolle darüber, Ihr Denken, Fühlen oder Handeln zu stoppen oder zu verändern? Sie möchten diese Muster verändern, wissen aber nicht wie? Hier kann die Schematherapie eine hilfreiche Therapieform für Sie sein.

Auch wenn Sie das Gefühl haben, häufig in die gleiche Falle zu tappen, wiederkehrende Konflikte erleben oder immer wieder eigene Bedürfnisse übergehen und Grenzen überschreiten, kann mit der Schematherapie gearbeitet werden.

 

 

Ablauf der Schematherapie

In der ersten Phase der Therapie werden zunächst die aktuellen Probleme des Klienten/der Klientin und wie diese entstanden sind besprochen. Außerdem legen wir gemeinsam die Ziele der Therapie fest. In dieser Phase erhalten Sie auch Informationen über die Annahmen und Konzepte der Schematherapie und über das Vorgehen in der Therapie. Weiterhin finden wir gemeinsam die ungünstigen Schemata bzw. Modi heraus, die dazu führen, dass es immer wieder zu bestimmten, ungünstigen Verhaltensweisen kommt. Dabei wird klar, dass das bisherige Verhalten der bestmögliche Lösungsversuch für Sie war, um Ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Die Schemata können mithilfe von Fragebögen identifiziert und anschließend im Gespräch überprüft werden, oder ich setze, Ihre Zustimmung vorausgesetzt, den Muskeltest mit ein, um auf die zugrundeliegenden Schemata und Modi zu schließen.

Wir sprechen zum Beispiel über Situationen in Ihrem Leben, in denen Sie sehr starke negative Gefühle erlebt haben. Denn diese starken Gefühle lassen sich oft nicht durch die auslösenden Situationen erklären, sondern durch die Aktivierung von Schemata, die in der Kindheit entstanden sind. So verstehen Sie nach und nach, wie sich die Schemata im Laufe Ihrer Lebensgeschichte entwickelt haben und warum Sie wie reagieren. Auf diese Weise lernen Sie, Ihre bisherigen Verhaltensmuster zu hinterfragen und so allmählich zu verändern.

In der nächsten Phase der Therapie ...

In der nächsten Phase der Therapie geht es um die Veränderung der ungünstigen Schemata: Diese sollen nun durch verschiedene Techniken verändert und abgeschwächt werden. Ziel dabei ist, dass Sie Ihre ungünstigen Verhaltensmuster allmählich aufgeben und lernen, Ihre Grundbedürfnisse bewusst und in einer angemessenen, flexiblen Art zu befriedigen. Anders gesagt soll der Modus des „gesunden Erwachsenen“ immer mehr gestärkt werden und der Betroffene lernen, seinen Bedürfnissen auf erwachsene Art und Weise gerecht zu werden.

Die Techniken, die hier klassisch zum Einsatz kommen, sind:

  • Stühlearbeit: Hier werden die verschiedenen Modi sinnbildlich veranschaulicht, indem die Modi, die bei Schemaaktivierung aktiv sind, leeren Stühlen zugeordnet werden. Dies ermöglicht Ihnen einen Perspektivenwechsel und damit ein nachhaltiges Verständnis Ihres Verhaltens durch Aufdecken der inneren Dialoge. Hieraus erfolgt eine emotionale Aktivierung, das Erkennen eigener Bedürfnisse und es wird auch die Distanzierung (z.B. durch sinnbildliches „Vor-die-Tür-stellen“ des „Kritiker-Stuhls“) und dadurch langfristig die Stärkung des „gesunden Erwachsenen“ ermöglicht. Kognitive und behaviorale Übungen helfen weiterführend, neue Verhaltensweisen zu festigen und zu verankern.
  • Imaginationsübungen: Diese helfen, sich bei vorherrschenden belastenden Emotionen an zugrundeliegende Referenzereignisse in der Kindheit oder Jugend zu erinnern, in denen diese Gefühle erstmalig sehr präsent gewesen sind. Durch das Anbieten der (fehlenden) Qualitäten stellvertretend für die beteiligten Personen (z.B. die Eltern) kann der Therapeut eine Neubewertung dieser Situationen sowie eine Übertragung des veränderten Gefühls auf aktuelle Problemsituationen ermöglichen (die Nachbeelterung). So lernen Sie, zwischen „früher" bzw. „notwendigem Verhalten“ und „heute" bzw. „nicht mehr angemessenem Verhalten“ zu unterscheiden.

Gegen Ende der Therapie wird das Erlernte mehr und mehr in den Alltag übertragen. Gleichzeitig soll sich der Klient nun langsam aus der Therapiebeziehung lösen. Außerdem wird besprochen, wie Rückfälle in alte Verhaltensmuster vermieden werden können.

Die Schematherapie wird kontinuierlich, meist wöchentlich, über einen längeren Zeitraum durchgeführt, um einen günstigen Therapieverlauf erzielen zu können. Sie eignet sich besonders, wenn man längerfristig an seinen Lebensthemen arbeiten möchte.

mehr anzeigen weniger anzeigen

Gehen Sie jetzt mit mir eine Veränderung in Ihrem Leben an und stellen Sie Ihre Weichen für ein glückliches, kraftvolles und selbstbestimmtes Leben. Lernen Sie mich einfach in einem kostenlosen, ca. 15-minütigen Telefongespräch kennen. Buchen Sie diesen Termin doch gleich hier online, rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

"Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung."

Antoine de Saint Exupéry