Die Angst vor dem Alleinsein – was steckt dahinter?

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Die Angst vor dem Alleinsein – was steckt dahinter?

Was löst das Wort ‚Alleinsein‘ in Ihnen aus? Was spüren Sie, wenn Sie es sich im Geiste sagen?

In mir entstand früher sofort ein fühlbarer, fast schon greifbarer massiver Widerstand dagegen. Eine Art innere Panik, gegen die ich sofort etwas unternehmen wollte. Auch heute noch kann ich eine gewisse Unruhe und einen Funken Widerstand wahrnehmen.

Aber warum lösen diese Gedanken derartige Gefühle in einigen von uns aus, woher kommt diese Angst und wovor genau haben wir Angst?

Zunächst möchte ich gerne auf zwei verschiedene Begriffe eingehen, welche im deutschen Sprachgebrauch häufig vermischt oder äquivalent verwendet werden, es aber nicht sind: Das Alleinsein und die Einsamkeit.

Einsamkeit ist das Gefühl, das durch das wirkliche oder wahrgenommene Fehlen von befriedigenden sozialen Beziehungen entsteht. Einsamkeit ist ein die Psyche lähmender Zustand, denn Bindung gehört zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen, ohne Bindung ist kein Menschsein möglich. Menschen, die sich einsam fühlen, verspüren daher das Gefühl von innerer Leere, Wertlosigkeit, Abgetrenntheit und andere dem depressiven Krankheitsbild zugeordnete Symptome.

Dem Alleinsein dagegen können durchaus positive Attribute zugeordnet werden. So kann man durchaus genießen sich zurückzuziehen, Zeit alleine zu verbringen und Abstand zu gewinnen.

Zeit alleine zu verbringen erlaubt uns, Raum zum Denken zu haben, in Kontakt mit uns selber zu treten, kreativ zu werden, uns selbst kennenzulernen. All dies ist unentbehrlich für unser persönliches Wachstum.

Viele Menschen können aber nicht oder nur ganz schwer alleine sein, oder halten es nur aus, wenn sie sich ununterbrochen ablenken, um nicht das Gefühl zu bekommen, tatsächlich alleine zu sein.

Woher kommt diese Angst vor dem Alleinsein und warum sind so viele Menschen unfähig, Zeit mit sich selbst zu verbringen? Der Ursprung dieser Ängste liegt zumeist in unserer Kindheit.

Frühe Verlusterfahrungen durch tatsächlich oder emotional nicht anwesende Eltern oder andere Bezugspersonen bzw. Vernachlässigungen in der Kindheit können das Alleinsein zu einer sehr schmerzhaften Erfahrung werden lassen. Diese Erfahrungen werden als Kind als schrecklich und äußerst bedrohlich empfunden und erzeugen eine tiefsitzende allumfassende Angst. Dieses Gefühl der Angst und alle damit verbundenen Emotionen werden in das Erwachsenenalter übertragen. Stellen Sie sich hier die Ängste und Emotionen eines kleinen Kindes vor, bei welchem Vater oder Mutter mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen muss.

Ängste vor dem Alleinsein können aber auch entstehen, wenn die Leidtragenden überbehütet aufgewachsen sind und nie gelernt haben, mit sich selbst alleine zu sein oder sich selbst zu beschäftigen. Haben wir in der Kindheit nicht gelernt, uns selbst zu genügen oder uns selbst zu beschäftigen, tun wir uns später schwer, alleine zu sein, denn wir wissen nichts mit uns anzufangen. Wird nicht ein ‚Programm‘ von außen vorgegeben oder herrscht nicht genug Ablenkung, kommen wir uns verloren vor. Es macht sich eine innere Leere breit, die die Betroffenen selbst nicht auffüllen können.

Diese frühen Kindheitserfahrungen haben sich fest in unsere Gedanken- und Gefühlswelt eingebrannt und wann immer sich als Erwachsener eine Situation meldet, in der wir vermeintlich alleine gelassen werden, werden genau diese Gefühle lebendig und wir erleben z.T. massive Ängste, die objektiv gesehen nicht zur Auslösesituation passen.

Häufig oder gar ständig in Angst zu leben ist ein furchtbares und physisch und psychisch extrem anstrengendes Gefühl. Nicht selten entwickeln sich aus unbehandelten Ängsten zusätzlich Schlafstörungen, Blutdruckstörungen, Herz-Kreislauf-Probleme, weitere Ängste, Panikattacken, Suchtprobleme und Depressionen. Wenn, wie oben beschrieben, das Angstgefühl aber nun aus unserer Biographie heraus automatisch auftaucht und uns voll im Griff hat, was können wir dann dagegen tun?

Etwas gegen die Angst zu tun ist ein äußerst harter und uneffektiver Weg, sich besser zu fühlen, denn eine Angst lässt sich nicht so einfach besiegen. Ja mehr man kämpft, desto größer wird sie.

Kämpfe nicht gegen Ängste an – arbeite mit ihnen

Der erste Schritt ist seine Ängste bewusst wahr zunehmen. Schauen Sie den Ängsten zu, wie sie entstehen, wo Sie sie fühlen können und was diese mit Ihnen anstellen.

Sollte sich also die Angst vor dem Alleinsein melden oder Sie das Gefühl haben, das, was ich gerade tue, mache ich nur, damit ich nicht allein sein muss, dann halten Sie inne und nehmen Sie ganz bewusst wahr, was gerade in Ihnen passiert. Verurteilen Sie weder sich noch die Angst, sondern stellen Sie einfach fest, dass Ihre Angst da ist und vor was genau Sie sich in diesem Moment fürchten.

Versuchen Sie nicht, Ihre Ängste unmittelbar zu lindern, indem Sie panikartig reagieren oder sich zwanghaft versuchen abzulenken. Geben Sie sich Zeit und seien Sie nachsichtig und achtsam mit sich selbst und begegnen Sie Ihrer Schattenseite.

Wenn Ihnen dies immer besser gelingt, können Sie noch einen Schritt weitergehen und sich Ihrer Angst stellen und schauen, was passiert.

Meist wirken unsere Ängste bedrohlicher als sie in der Realität wirklich sind, denn die ursprüngliche Angst des Kindes wurde ja als sehr bedrohlich erlebt. Wenn Sie es schaffen, die jetzige Situation und die Konsequenzen in Ruhe zu durchdenken, wird Ihnen sehr wahrscheinlich bewusst werden, dass die Gefahr viel kleiner ist als es sich anfänglich anfühlt.

So werden Sie vielleicht viel schneller als gedacht in der Lage sein, Ihre Zeit alleine als positiv und unterstützend zu erfahren, ja vielleicht sogar lernen, diese zu genießen.

Nicht zuletzt in Zeiten von Corona, wo wir alle auf soziale Kontakte verzichten müssen und Paarbeziehungen eine herausfordernde Zeit erleben, haben wir die Möglichkeit, mit und an der Alleinseins-Angst zu arbeiten. Probieren Sie sich aus, entdecken Sie Ihr Innerstes, entlarven Sie Ihre Ängste und nehmen Sie sich derer an.

Fühlen sich Ihre Ängste zu groß und zu übermächtig an und finden Sie keine Möglichkeit, sich dieser anzunehmen? In diesem Fall sollten Sie die professionelle Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen und lassen Sie sich auf dem Weg in ein angstfreieres Leben begleiten.

Diesen Artikel habe ich zusätzlich zum Post auf hier auf meiner Homepage www.therapie-landsberg.de für die Blogparade „Umgang mit Gefühlen“ von Rosina Geltinger, www.rosinageltinger.de/blogparade freigegeben und hoffe das sich noch viele Kollegen und Kolleginnen beteiligen.

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